Zu den Produkten von Banken und Sparkassen im Privatkundenbereich zählen neben Kreditgeschäft und Zahlungsverkehr die Anlageberatung sowie die Vermögensverwaltung. Doch wer berät besser? Mensch oder Algorithmus?

Es werden passend zu dem Anlage- und Risikoprofil des Kunden entsprechende Anlagestrategien vereinbart, die von der Bank bzw. dem Vermögensverwalter umgesetzt werden. Der Berater empfiehlt dann bestimmte Produkte für Rentenpapiere oder Aktienfonds. Als Erlösmodell wird eine Provision von der Kapitalanlage einbehalten. Honorarberatung wird mittlerweile von einigen Beratern und einigen Banken, wie der Quirin-Bank angeboten. Die Beratung auf Provisionsbasis ist die gängigste Form in Deutschland. Anlageberater und Vermögensverwalter sind per se Intermediäre, um über Beratung Wertpapiere und Kunden zusammenzubringen.

Wer berät besser? Mensch oder Algorithmus?

Im März gewann der Go-Computer Alpha-Go gegen den Go-Meister Lee Sedol. 3:1 für die Maschine. Go ist ein Brettspiel, bei dem die Spieler im Vergleich zu Schach deutlich längerfristiger vorausschauen müssen.

Brettspiel

(Bildquelle: Brettspiel Go; Donarreiskoffer)

Hier hilft nicht nur Rechenleistung, sondern auch Intuition, den richtigen Stein zu setzen. Genau dieses konnte Alpha-Go umsetzen und zeigte so – von außen gesehen – ein nicht unterscheidbares Verhalten zu dem eines menschlichen Spielers. Genau dieses fordert der Turing-Test, der als Gradmesser für die künstliche Intelligenz gilt.

Kollege Computer übernehmen Sie …

Das Risikoprofil abfragen und eine Anlagestrategie abzuleiten, wird schon weitestgehend IT-gestützt abgebildet. Sogenannte Robo Advisors übernehmen dann die Rolle der aktiven Beratung und managen direkt/indirekt das Vermögen.

Die Anlageberatung funktioniert je nach dem jeweiligen Programm (teil)automatisiert. Durch diese Automatisierung können so auch Anleger mit kleinen Anlagebeträgen effizient beraten werden. Die Robo-Advisors unterscheiden sich nach Komplexität und Automatisierungsgrad. Nachfolgend zeige ich wichtige Eigenschaften und Funktionalitäten der Robo Advisors auf:

Online-Portfolios

Der Anleger wird nach Anlagehorizont, Risikoneigung, Branche, Art der Wertpapiere etc. gefragt. Abhängig von dem jeweiligen Profil werden vordefinierte Investment-Portfolios empfohlen.

Der nächste Schritt ist die Individualisierung dieser Portfolios. Gerade hier kann durch zusätzliche Informationen über die Präferenzen des Anlegers ein passenderes bis hin zu einem individualisierten Portfolio vorgeschlagen werden.

In der Regel werden bei der konkreten Auswahl indexbasierte, passive Investments (ETFs) genommen.

Algorithmus vs. Social Trading

Eine Kauf- und Verkaufsentscheidung kann regelbasiert geschehen und nutzt somit bestimmte Algorithmen des Robo Advisor. Eine andere Form ist das Social Trading. Hier wird der Anlageberater durch die Crowd bzw. Community ersetzt. So berät die Community den einzelnen Investor. Der Anleger kann auch andere Strategien einsehen und diesen Anlagestrategien folgen bzw. sie kopieren.

Ein Beispiel für diese Peer-to-Peer-Beratung ist Wikifolio.

wikifolio

(Bildquelle: Screenshot Wikifolio)

Durch die Community und professionelle Wertpapierhändler werden Portfolios angelegt und der Anleger hat verschiedene Recherchemöglichkeiten, nach dem besten zu ihm passendsten Portfolio bzw. wikifolio zu suchen, und dann entsprechend seine Anlagestrategie abzubilden. So stehen innerhalb von 3 Jahren 3.100 Musterdepots zur Verfügung. Das Handelsvolumen betrug vor einem Jahr 5,9 Mrd. €. (Quelle: Private Banking)

Balance zwischen Märkten und Portfolio

Die Schwierigkeit liegt in der Analyse der Schwankungen auf den Wertpapiermärkten und in einem Ausbalancieren der einzelnen Wertpapiere, damit die persönlichen Ziele der Anlagestrategie sich wiederfinden. In der Regel passiert dieses Rebalancing mehrmals im Jahr.

Die Schwierigkeit ist, zu erkennen, ob eine Anpassung des Portfolios vorgenommen werden muss oder die Dynamik am Wertpapiermarkt eine normale Volatilität ist

Markt der Robo Advisors

Der Markt dieser automatisierten Anlageberatung ist mittlerweile sehr groß und vielfältig. An dieser Stelle will ich nur einige dieser Unternehmen der Robo Advisors nennen: comdirect, easyfolio, fintego, Ginmon, quirion, Vaamo, VisualVest.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Geringere Kosten im Vergleich zu einer Bank
  • Kleine Anlagebeträge sind möglich
  • Hohe Transparenz
  • Ersparnis bei Zeit und Aufwand durch die automatisierte Umsetzung der Anlagestrategie

Auf der anderen Seite hat der Anleger keine persönliche Beratung und somit obliegt es dem Anleger selbst, sein Risiko richtig einzuschätzen. Hinzu kommt, dass diese Fintechs bzw. Robo Advisors noch relativ neu auf dem Markt sind und noch keine langjährige Erfahrung wie bei den etablierten Anlageberatern vorliegt.

Darüber hinaus muss man berücksichtigen, dass einige Anbieter nur Depots bei Partnerbanken registrieren und diese managen, während andere als Vermögensverwalter mit eigener Banklizenz die Dienstleistung komplett eigenständig aus einer Hand anbieten.

In Deutschland wird für den Bereich „automatisierte Anlageberatung“ ein Transaktionsvolumen von 1.179 Mio. € für 2016 prognostiziert. Die zukünftigen jährlichen Wachstumsraten sollen bei ~68% liegen (Vergleich Europa 74%). In Deutschland alleine werden im Jahr 2020 0,7 Mio. aktive Nutzer (Vergleich Europa 3,6 Mio.) erwartet. (Quelle: Statista)

In den USA und Großbritannien wird das Thema Robo Advisor bereits etwas länger verfolgt und hier haben sich mit Wealthfront, Bettervest oder Nutmeg (UK) bereits größere Player etabliert. Im Vergleich zu den deutschen Anbietern überzeugen sie vor allem durch die Art, wie der Nutzer in seiner Anlageentscheidung abgeholt wird. Während in Deutschland ganz schnell ein Depot eröffnet werden muss, können Kunden auf diesen Plattformen erst einmal virtuell „spielen“ und die Entwicklung Ihrer Anlagestrategie verfolgen, bis ein Depot eröffnet werden muss.

Für Robo Advisor bzw. deren Nutzung wird weltweit in den kommenden Jahren ein jährliches Wachstum von 40% erwartet. Ein spannender Markt, der gerade Privatanleger anspricht, die bisher aufgrund eines niedrigen Anlagevolumens eine Anlageberatung und Vermögensverwaltung nicht wahrgenommen haben.

Zusammenfassung und Ausblick

Drei Entwicklungen sind aus meiner Sicht für Wachstum und Nutzung von automatisierten Anlageberatungen und Vermögensverwaltungen entscheidend:

  1. Banken und Vermögensverwalter bringen – einfach ausgedrückt – Wertpapieremittenten und Anleger zusammen. Die Beratung für den richtigen Match geschieht i.d.R. durch eine IT-gestützte und persönliche Beratung. Wenn hier (teil)automatisierte Lösungen dazu beitragen, dass die Beratung effizienter wird, profitieren Banken, Vermögensverwaltung und Anleger davon. Aber durch diesen Effizienzgewinn werden auch neue Zielgruppen erreicht.
  2. Regelbasierte IT-Systeme unterstützen schon seit Jahren die Beratung von Kunden in sämtlichen Branchen. Vor dem Hintergrund, dass Programme nicht nur mittels Regeln entscheiden, sondern auch intuitive Annahmen treffen können, wird die Beratungsqualität gesteigert. Wenn ein Computer ein hochkomplexes Go-Spiel für sich entscheiden kann, ist die Technik soweit, dass dieses auch für andere Fragestellungen wie Wertpapieranlage anwendbar ist.
  3. Durch die soziale Vernetzung und damit auch dem Teilen von Wissen ist es möglich, das Wissen der Community für die richtige Auswahl des Portfolios bzw. der Wertpapiere zu nutzen. Dieses ist nicht neu und wird auch durch die Robo Advisors abgebildet.

Wir beobachten gespannt die Entwicklung folgender Themen:

  • Werden Robo Advisors die Anlageberatung und Vermögensverwaltung kannibalisieren oder werden diese als Whitelabel selbst die Banken unterstützen?
  • Wie wirken sich eine zunehmende Abbildung von Nutzerpräferenzen und der Trend zur Individualisierung auf die Gestaltung von Wertpapierprodukten aus?
  • Welcher Algorithmus, welche Schwarmintelligenz oder welche Intuition eines persönlichen Beraters oder eines Programm trägt zur besseren Performance des Portfolios bei?

Robo Advisor zeigen deutlich, wie durch eine Automatisierung und die Vernetzung einer Community neue Geschäftsmodelle entstehen, die ganz neue Zielgruppen erschließen können.

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