Am Wochenende fand zum neunten Mal das Mobile Camp in Dresden statt. Die Veranstaltung ist in Form eines Barcamps organisiert, für das man auf der Website des Mobile Camps das Synonym „Unkonferenz“ findet. Anders als bei Konferenzen, darf sich jeder mit Vorträgen, Workshops und Diskussionen einbringen. Das Programm wird also durch die Teilnehmer gestaltet.

Dirk Cosmar, Director Unit Technology bei queo, hat das Mobile Camp im Jahr 2008 ins Leben gerufen und hat kürzlich für Sputnika einen Einblick in die Organisation des Events gegeben.

Ich möchte von der Veranstaltung allerdings einmal aus Teilnehmersicht berichten. Für mich war es schon das fünfte Mobile Camp, also ist der Besuch sozusagen schon Tradition. Die Besucher bestehen nach wie vor zum Großteil aus Entwicklern, wobei immer mehr Designer, Projektmanager und Freiberufler mit den verschiedensten Hintergründen dazu kommen. Viele Gesichter kennt man bereits von den Veranstaltungen der Vorjahre.

Der Tag startete bereits gegen halb neun. Im Foyer der Fakultät gab es noch ein Frühstück, bevor der offizielle Teil der Veranstaltung begann und zwar mit einer Besonderheit des Mobile Camps: Am ersten Tag müssen sich alle Teilnehmer vorstellen. Alle dreihundert Teilnehmer. Auch wenn das zunächst langwierig klingt ist es eher sehr interessant, einen Überblick über die verschiedenen Hintergründe und Interessen der Leute zu bekommen, wodurch man anschließend schnell Kontakte und Gesprächsthemen findet. Die Vorstellungsrunde läuft sehr strukturiert ab und verhältnismäßig schnell durch. Man sagt seinen Namen, wo man herkommt, wo man arbeitet und drei Tags zu sich:

„Hallo ich bin Sascha, komme aus Dresden, arbeite bei queo und meine drei Tags sind: #PHP, #Symfony2 und #UrbanGardening“

Sessionplanung am Samstagmorgen

Sessionplanung am Samstagmorgen

Darauf folgt die Sessionplanung, die ja ein Barcamp erst ausmacht. Jeder, der als Speaker eine Session leiten möchte, stellt kurz sein Thema vor. Dann entscheidet das Publikum durch Handheben, ob das Thema genug Interessenten findet. Entsprechend werden die Räume zugewiesen. Die Themen zeigten sich hier – wie der Name der Veranstaltung schon suggeriert – eher mobile-lastig: Die dominierenden Entwickler-Themen sind beispielsweise die Cross-Plattform-Entwicklung mit XAMARIN oder Cordova. Darüber hinaus ist natürlich App-Design und Prototyping ein Schwerpunkt. Aber auch andere aktuelle Themen, wie Virtual Reality, finden ihren Platz im Mobile Camp. Dann gibt es wiederrum Sessions, die nur indirekt mit dem Thema „Mobile“ verknüpft sind oder in denen man neue technische Spielzeuge bestaunen kann. So bleibt das Programm immer sehr abgerundet und wird nie einseitig.

Bevor die Sessions starten, gab es noch an beiden Tagen eine Keynote. Samstag wurde diese von Rene Schulte, seines Zeichens Director of Global Innovation, Research & Incubation bei Valorem, gehalten. Er und sein Team beschäftigen sich seit einiger Zeit mit HoloLens von Microsoft und haben sich in diesem Umfeld Apps entwickelt. Er hat die neuesten Entwicklungen in den Möglichkeiten der Mixed Reality vorgestellt. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, was in Zukunft in diesem Bereich auf uns zukommt, wenn die reale mit der virtuellen Welt immer mehr vermischt wird.

Sascha Pallenberg, ehemaliger Blogger bei mobilegeeks.de und neuerdings bei der Daimler AG beschäftigt, hielt am Sonntag die Keynote. Da er in der Techszene durchaus eine Größe darstellt, war ich auf seinen Vortrag sehr gespannt. Er hat, ganz im Zeichen seiner neuen Position, über den Kampf von Google und Android um Dashboard, Services und Infrastrukturen in der Automobilbranche und die aktuellen Entwicklungen auf dem Markt berichtet.

Keynote von Sascha Pallenberg

Keynote von Sascha Pallenberg

Nach den Keynotes starteten auch schon die ersten Sessions. Um nicht den Überblick zu verlieren, haben die Veranstalter eine eigene App auf die Beine gestellt, in der dann nach der Sessionplanung alle Zeiten und Orte abrufbar sind. Diese App verschickt Push-Nachrichten und informiert über aktuelle Ereignisse, so zum Beispiel darüber, dass die Abendveranstaltung aufgrund der Wetterverhältnisse verlegt wurde. Das ist sehr hilfreich, wenn der genaue Ablaufplan einer Veranstaltung nicht schon vorher feststeht.

Ich persönlich interessiere mich ganz besonders für Sessions, in denen man sich auch wirklich etwas angucken -und am besten staunen – kann. Beispielsweise gab eine Session mit dem Titel „Demo Scene“: Das ist eine Szene, die sich der digitalen Kunst verschrieben hat. Dabei handelt es sich meist um programmierte Videos. Innerhalb dieser Szene gibt es die verschiedensten Disziplinen, wie die Programmierung von Videos, die ein Datenvolumen von maximal 4 kB haben dürfen. So wurde ein einminütiges Video gezeigt, das aufwendige 3D-Grafiken mit Animationen, Shadern und Ton enthielt, dessen Code auf ein DIN A4 Blatt passt. Außerdem wurden Videos vorgestellt, die live zur Laufzeit berechnet wurden. Sehr beeindruckend! Es gibt dafür europaweit mehrere große Events, auf denen die Werke vorgestellt werden. Meistens in großen Hallen mit einer riesigen Leinwand und sehr lauter Musik. Da mussten sich die Jungs zusammenreißen, während der Präsentation die Musik nicht zu laut zu stellen.

Eine weitere Session, die in die Bastler-Richtung ging, drehte sich um das OpenSource-Projekt Magic Mirror. Ein Entwickler, das maßgeblich an der Vorantreibung des Projekts beteiligt ist, stellte dort seinen persönlichen Magic Mirror vor: Man nimmt einen Monitor, entkernt ihn und montiert ihn hinter einem halbtransparenten Spiegel. Mit einem Raspberry hat er dann ein System gebaut, mit dem man dann im Spiegel die verschiedensten Informationen abrufen und sehen kann: Die Uhrzeit, das Wetter, Nachrichten und Busfahrplan sind nur einige Möglichkeiten.

 

Eine Session drehte sich um das OpenSource Projekt "Magic Mirror"

Eine Session drehte sich um das OpenSource Projekt „Magic Mirror“

Aber auch ernstere Themen standen auf dem Programm. Eine Session hieß „Mord und Technik“. Die Grundlage bildete dabei ein aktueller Fall, in dem ein Mann mithilfe von Fitbit-Trackingdaten des Mordes an seiner Frau überführt werden konnte – er hatte falsche Angaben über seinen Aufenthaltsort zum Mordzeitpunkt gemacht. Daraus entwickelte sich eine interessante Diskussion, wie Technik einerseits bei der Aufklärung helfen kann – aber auch andererseits kriminelle Machenschaften unterstützt. Ein bekanntes Beispiel ist hier wohl Pokémon Go, bei dem Spieler bei der Suche nach Pokémon in dunklen Ecken überfallen wurden.

Juristische Themen sind auch immer wieder von allgemeinem Interesse. Eine Session wurde von einem Rechtswissenschaftler geleitet, der über neue Entwicklungen in den Bereichen Linkhaftung, Urheberrecht oder Datenschutz aufgeklärte, was uns Entwicklern durchaus im Alltag helfen kann.

Neben dem regulären Programm fand am Samstag auch ein Workshop zum Thema Internet of Things statt, den man den ganzen Tag besuchen konnte. Dort gab es die Möglichkeit mit Arduino, Pi oder anderen Mikroprozessorsprachen herumzuprobieren, mit deren Hilfe man einen kleinen Roboter steuern kann, der mit Lampen oder Sensoren arbeitet.

Da die zahlreichen Sessions auf die Dauer natürlich viel Input liefern, haben wir uns am Sonntag auch eine Pause gegönnt und uns in der Gruppe an den Teich der Informatikfakultät gesetzt. Als Besucher des Mobile Camps wird man, dank der zahlreichen Sponsoren, kulinarisch immer sehr gut umsorgt: Es gibt reichlich zu Essen und zu Trinken und natürlich viel Kaffee. So war Samstag ein Foodtruck da. Auf der Abendveranstaltung gab es dieses Jahr Getränkemarken für jeden Teilnehmer. Sonntag wiederrum gibt es traditionell immer Pizza und nach dem Essen bauen alle einen großen Turm aus Pizzaschachteln, bis er umfällt – das ist auch schon irgendwie Tradition.

Sonntagmittag gibt es traditionell Pizza.

Sonntagmittag gibt es traditionell Pizza.

Das Fazit des Mobile Camps fällt bei mir – wie jedes Jahr – sehr positiv aus. Falls jemandem etwas nicht so gut gefallen hat, kann man beim nächsten Mal einfach selbst eine Session halten. Schließlich ist das ist das Prinzip des Mobile Camps: Es wird durch die Mitarbeit der Besucher erst zum Leben erweckt – das ist doch gerade das Spannende an der Veranstaltung!

Für mich ist das Mobile Camp auf jeden Fall Pflichtprogramm – auch gerade wegen der entspannten, lockeren Atmosphäre und der vielen bekannten Gesichter. Nächstes Jahr ist ja auch schon zehnjähriges Jubiläum – da bin ich gespannt, was die Organisatoren sich einfallen lassen. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf das nächste Mobile Camp!

Ein herzlicher Dank geht an Dirk Cosmar für die Zurverfügungstellung der Fotos.

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