Ein LAS, kurz für logistisches Assistenzsystem, hilft bei der Lösung einer Vielzahl von Fragestellungen in den verschiedensten Bereichen im logistischen Umfeld – von der Supply Chain bis zur Intralogistik. Auch die wachsende Vernetzung im industriellen Bereich – Stichwort Industrie 4.0 – öffnet den LAS viele neue Möglichkeiten.

Durch den Einsatz von LAS lässt sich das Wissen über logistische Abläufe und Zusammenhänge in einem einzigen System integrieren. Assistenzsysteme sind zumeist Individualsoftware – bestimmte wiederkehrende Fragestellungen werden mit einer Software unterstützt, um Systemzustände zu erfassen, zu bewerten und anhand dieser Informationen Alternativen zu vergleichen um letztlich eine für das Unternehmen sinnvolle Entscheidung treffen zu können.

Was können logistische Assistenzsysteme leisten – und was nicht?

LAS stellen dem Nutzer transparente, verständliche und bewertbare Informationen zur Verfügung, um Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und die Entscheidungsfindung zu erleichtern. Somit schaffen LAS eine hohe Transparenz und damit die Voraussetzung für abgesicherte und fundierte Handlungsalternativen. Dadurch können Kosten gesenkt und somit die für den gesamten Prozess optimalen Maßnahmen ergriffen werden.

Logistische Assistenzsysteme können grob in drei Handlungsfelder unterteilt werden, die aufeinander aufbauen und somit eng ineinander verzahnt sind:

 

1. Zustände erfassen und bewerten (Entscheidungsvorbereitung):

In dieser Phase werden Informationen aus unterschiedlichen Datenquellen bzw. Systemen in eine gemeinsame Datenbasis überführt. Dazu müssen die Daten integriert und harmonisiert werden. Dies schafft die erforderliche Transparenz um Last, Leistung und Kosten eines Systems zu messen und den aktuellen Zustand zu bewerten. So kann ein kontinuierliches Monitoring und eine Visualisierung von entscheidungsrelevanten KPI (Key Performance Indicators) sichergestellt werden. Der Nutzer wird benachrichtigt, wenn das System eine Überschreitung der vorher definierten Leistungs- und Kapazitätsgrenzen feststellt, und kann entsprechend reagieren. – Der Benutzer wird also stets informiert, wenn etwas wichtig und/oder dringend ist.

 

2. Alternativen entwickeln und bewerten (Entscheidungsfindung):

Aus der Vielzahl von vorhandenen Informationen meldet ein Assistenzsystem die relevanten Fragestellungen, für die eine Entscheidung gefällt werden muss. Dafür können nun Maßnahmen durch den Benutzer identifiziert und modelliert werden. Diese Alternativen werden ausgehend vom Systemzustand für ein hypothetisches Zukunftsszenario berechnet. Durch diese ganzheitliche Betrachtung im dynamischen Umfeld können die alternativen Maßnahmen in einem gewissen Zeithorizont leicht verglichen werden. – Der Benutzer kann also „Was-wäre-wenn-Szenarien“ auf Basis eines in die Zukunft weiterentwickelten Systemzustandes betrachten.

 

3. Entscheidungen ausführen und überwachen (Entscheidungsausführung):

Nach der Entscheidung für eine bestimmte Maßnahme müssen die für die Durchführung benötigten Tätigkeiten geplant, durchgeführt und überwacht werden. Dabei können beispielsweise gemeinsame Planungs- und Steuerungsaktivitäten über entsprechende Tools unterstützt werden und dabei die Maßnahmendurchführung gleichzeitig übersichtlich verfolgen. Zusätzlich wird die Entwicklung der entscheidungsrelevanten KPIs nicht aus dem Auge verloren.

Grafik_LAS

Die drei Stufen eines logistischen Assistenzsystems

Fragestellungen & Aufgaben in der Logistikbranche für LAS

Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Fragestellungen in der Logistikbranche ist nicht für jede ein individuelles Assistenzsystem erforderlich oder sogar sinnvoll. Für ein Assistenzsystem spricht aber immer, wenn die Aufgaben wiederkehrend sowie ausreichend komplex sind und eine gewisse Dynamik aufweisen. Oftmals sind es fehlende Bausteine in einem Gesamtsystem, die ein logistisches Assistenzsystem sinnvoll machen. Dies können fehlende, nicht aggregierte Daten, mehrfache Systembrüche im Informationsfluss aber auch extrem komplexe Zusammenhänge in logistischen Netzwerken sein.

Langfristige Aufgaben sind aufgrund ihrer strategischen Ausrichtung und dem damit verbundenen Möglichkeiten für eine Auswertung durch Assistenzsysteme besonders gut geeignet, wenn die Alternativen beschreib- und bewertbar sind. Das umfasst unter anderem:

  • Strategische Make-or-Buy Entscheidungen bei sich gegenseitig beeinflussenden Kapazitätsressourcen
  • Bewertung und Erstellung von unterschiedlichen Transportnetzwerken bei der strategischen Netzwerkplanung
  • Bewertung von unterschiedlichen Standortalternativen hinsichtlich der optimalen Einbindung in bestehende Netzwerke

Aber auch im operativen Bereich existiert eine Vielzahl von vergleichbaren Fragestellungen, bei denen oftmals das Identifizieren von kurzfristigen Handlungsbedarfen im Vordergrund steht. Dabei werden die erforderlichen Informationen durch das Assistenzsystem aus verschiedenen Quellen zusammengeführt und entsprechend verschiedener, vorher definierter Regeln aggregiert und analysiert:

  • Welche Teile sind auf dem Weg? Bekomme ich mit der geplanten Produktion ein Bereitstellungsproblem? Welche Alternativen ergeben sich hier kurzfristig ohne Produktionsausfall?
  • Passen die Abnahmemengen meines Kunden zu seinen Plandaten und zu meiner Produktion (z.B. im Falle einer Just-In-Time oder Just-in-Sequence-Produktion)?
  • Hätte eine Meldung aus dem Netzwerk kommen müssen, wenn sie ausgeblieben ist: Was kann ich nun tun?

Die Ausführungen klingen zunächst noch etwas theoretisch. Deswegen folgt nun ein allgemeines Anwendungsbeispiel und im Anschluss drei Showcases aus dem Portfolio von queoflow.

 

Anwendungsbeispiel: Verfügbarkeit saisonaler Produkte am Verkaufsort

Dieses Beispiel befasst sich mit Material- und Transportdisposition und Bestandsstrategien.

Reifen sind saisonale Produkte. Das heißt, dass auch das Kundenverhalten saisonal sehr stark schwankt. Während der üblichen Zeit für den Reifenwechsel im Frühjahr und Herbst werden verstärkt Reifen der kommenden Saison nachgefragt. Sind die Produkte nicht unmittelbar verfügbar, hat der Kunde leicht die Möglichkeit, die Angebote bei der Konkurrenz einzukaufen. Außerhalb der Spitzenzeiten sind längere Lieferzeiten aufgrund besserer Planbarkeit jedoch kein Ausschlusskriterium, da das allgemeine Werkstattgeschäft und Neuausstattung nicht im selben Maße zeitkritisch sind wie die saisonale Nachfrage.

Die Herausforderungen stellen sich also folgendermaßen: Es muss ermittelt werden, welche Bestandsstrategie zu welcher Nachfrageperiode passt. Eine zentrale Lagerung bedeutet zwar längere Lieferzeiten, wenig Kapitalbindung und geringere Lagerkosten, allerdings auch höhere Transportkosten aufgrund fehlender Konsolidierung. Vorteil ist hierbei allerdings die hohe Flexibilität. Die regionale Lagerung ermöglicht hingegen kurze Lieferzeiten und niedrige Transportkosten. Diese Variante geht aber mit einer hohen Kapitalbindung, hohen Lagerkosten und weniger Flexibilität einher. Wie man sieht, gilt es hier zwischen verschiedenen Varianten die für das Unternehmen vorteilhafteste auszuwählen.

LAS sind in der Lage, die Auswirkung der verschiedenen Strategien im Beispiel unter Berücksichtigung verschiedener Abrufszenarien zu bewerten. So können bspw. Fragen zur Auftragserfüllungsrate der einzelnen Standorte und zum Ergebnisbeitrag beantwortet werden.

Auch bei queoflow konnten wir schon einige logistische Assistenzsysteme umsetzen, so zum Beispiel für die Volkswagen AG. Gemeinsam entwickelten wir ein Ressourcenplanungstool für den Personalbedarf in der Fahrzeugentwicklung. Die Herausforderung bestand vor allen Dingen darin, über das gesamte Projektportfolio der Volkswagen AG den in den Abteilungen anfallenden Aufwand entlang des Produktentstehungsprozesses zu erfassen und die vorhandenen Ressourcen bedarfsgerecht bereitzustellen. Ob zu viel oder zu wenig Mitarbeiter an einem Projekt arbeiten oder externe Mitarbeiter engagiert werden müssen, kann in nun verschiedenen Berichten ausgewertet werden. Dieses Projekt umfasst somit vor allen Dingen die Entscheidungsvorbereitung. Es könnte aber leicht um weitere Schritte erweitert werden: So könnte das Tool Entscheidungsalternativen bereitstellen und die Auswirkungen entsprechend simulieren.

Ein weiteres Projekt aus diesem Bereich ist das Zustellmonitoring für die DD+V Mediengruppe: Ziel war die Absicherung des Zustellprozesses, um im Sinne Ihrer Abonnenten und Werbekunden eine termingerechte Auslieferung zu gewährleisten. Dazu entwickelten wir ein Tool, das es dem Verlag ermöglicht, die Übernahme seiner Zeitungen beim zustellenden Mitarbeiter nachverfolgen zu können. Das Monitoringtool erhöht die Transparenz, verhindert Zustellausfälle und sichert die termingerechte Zustellung aller Zeitungen ab. Um die Qualität des Logistikprozesses stetig zu verbessern und abzusichern, sind Erweiterungen des Trackingtools entlang der Vertriebsstrecke auch in diesem Projekt durchaus möglich.

Aber auch in der Simulation konnte queoflow bereits Erfahrungen sammeln: So gehört ein CO2-Simulationstool für einen Automobilhersteller zur Untersuchung von Auswirkungen von Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes zu unseren erfolgreichen Projekten. Wichtig war dabei, dass die Anwendung die gesamte Flotte des Konzerns in diesem Markt mit allen wesentlichen Daten erfasste, flexibel für Änderungen am Datenbestand ausgelegt wurde und intuitiv bedienbar war. In den verschiedenen Szenarien können die Auswirkungen auf die gewählten Fahrzeuge simuliert werden. So lassen sich verschiedene Maßnahmenkombinationen vergleichen und bewerten. Durch eine detaillierte Berichtsfunktion ist zugleich eine Analyse auf Projektebene möglich. Mit dem Simulationstool werden für unseren Kunden nun die Auswirkungen der geplanten Maßnahmen auf das Gesamtportfolio sichtbar und entsprechende Unterschiede zwischen Prognose und Zielen erkennbar. Auf dieser Basis ist es möglich, über zusätzliche Maßnahmen zu entscheiden und dabei Kosten-Nutzen-Berechnungen einzubeziehen.

Zum Abschluss sei hier noch ein sehr anschauliches Video mit Beispielen zum Thema LAS empfohlen, das die Fraunhofer IML produziert und bereitgestellt hat: https://www.youtube.com/watch?v=YCqPQ726xms

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