Nachdem unser Front-End Entwickler Christopher Voigt im ersten Teil des Interviews ausführlich über Neuerungen bei Frameworks und anderen Entwickler-Tools berichtet hat, möchten wir uns nun den Trends im Bereich der Mobilfreundlichkeit und dem Webdesign widmen – also den Themen, die jeder von uns täglich erlebt, ob nun bewusst oder unbewusst.

Ein großes Thema, wenn es um Trends im Web geht, ist natürlich zu jeder Zeit Google. Hier ist das Stichwort: Mobile. Die Sprachsteuerung gewinnt an Bedeutung und eben auch die Mobilfreundlichkeit – „mobile friendliness“ – der Webinhalte. Kannst Du uns erzählen, was hier zu Beginn des Jahres der Stand war und was seit dem bei Google passiert ist? Ist das Internet wirklich mobilfreundlicher geworden?

Was jetzt tatsächlich neu ist, ist die Einführung des Mobile Indexes von Google, der anzeigt wie gut die Seite und Inhalte mobil dargestellt werden können. Diesen Index gab es früher schon für den Desktopbereich. Google will damit ganz bewusst erreichen, dass Anbieter von Webinhalten ihren Fokus mehr auf mobilfreundliche Websites legen, da mobil mittlerweile mehr konsumiert wird als auf dem Desktop-PC.

Grundsätzlich ist zu sagen, dass mobile Ansichten von Webseiten in Zukunft wichtiger sein werden als die Desktopansicht – Google wird also den Mobile Index stärker gewichten als den Desktop Index. Das hat teilweise schon zu einem Umdenken bei den Anbietern der Webinhalte geführt.

 

Nicht viel anders ist es ja im Design: Auch hier gewinnen responsive Designs immer mehr an Bedeutung. Die Nutzer surfen mehr und mehr mobil. Hat sich seit Anfang des Jahres auf diesem Gebiet etwas getan? Und was ist als nächster Trend zu erwarten?

Responsives Design ist ja erstmal nicht neu und bezeichnet lediglich die Anpassungsfähigkeit von Inhalten auf das Endgerät, das sie anzeigen muss. Aber auch hier hat sich auf jeden Fall etwas geändert! Nach wie vor gibt es Seiten, denen eigene mobile Websites vorgeschaltet sind, die man an einem m oder mobile-Kürzel in der URL erkennt. Doch dies wird Stück für Stück aufgelöst, sodass Inhaltsseiten sich immer an das Gerät anpassen. Dies wird auch maßgeblich durch Google vorangetrieben.

Eine neue interessante Technologie für das mobile Surfen sind die AMPs , so genannte Accelerated Mobile Pages, die vor einer Seite liegen und nur das Nötigste ausliefern. Das hat den Vorteil, dass diese Seiten sehr wenige Daten enthalten und sehr schnell geladen werden können. Es geht Google darum, dass man das Internet so konsumieren kann, als hätte man alles lokal auf seinem Handy, doch da steht aktuell noch die Geschwindigkeit im Weg. Das Stichwort hierbei ist: „Lazy Loading“ – nur Inhalte laden, die wirklich gebraucht werden.

 

Bleiben wir beim Thema Design. Welche möglichen Trends hattest Du identifiziert – und welche sind wirklich zum Trend geworden?

Zu Beginn des Jahres hatten wir zwei große Trends identifiziert: Einerseits wurden Websites immer großflächiger und minimalistischer, so kamen zum Beispiel die sogenannten Cinemagraphs auf, die ja eigentlich nur eine minimalistische Form der bekannten gif-Animationen sind. Andererseits gab es immer aber ebenso mehr schrille und bunte Designs.

 

Ein Beispiel für Cinemagraphs (Quelle: http://www.tripwiremagazine.com/cinemagraphs/)

 

Wie auch immer eine Seite gestaltet ist, ob bunt und schrill oder eher edel und minimalistisch, kommt natürlich auf das Produkt an. Das hängt dann am Marketing und der CI. Gerade beim Design geht es natürlich auch darum, Neues zu erschaffen und herauszustechen. Dabei sind besonders auffällige Lösungen, wie aktuell die Websites, die allein durch Scrollen bedient werden, wie diese Seite der Bank of England, oft nur ein sehr kurzer Trend und existieren meist nicht sehr lange. Aber es eignet sich, um kurzfristig Aufmerksamkeit zu erregen, weil es etwas komplett Neues ist.

Generell kann man aber zusammenfassen, dass knallige Farben im Webdesign wieder eine größere Rolle spielen werden als in der Vergangenheit. Farben werden jetzt wieder bewusster genutzt um Botschaften deutlicher hervorzuheben.

Man kann solche Trends irgendwie mit der Mode vergleichen: Viele Designer schicken ihre Models in Outfits über den Laufsteg, die so niemals im Alltag getragen werden. Die Farben und Formen sind zu bunt, zu extrovertiert. Trotzdem adaptieren die modebewussten Menschen Einzelheiten, wie die Materialien und Farben. Genauso verhält es sich im Web: Dort gibt es bestimmte Farbpalletten, die beliebter oder unbeliebter sind, wie beispielsweise in den vergangenen Jahren die Pastellfarben, die sowohl in Webdesign als auch der Mode gefragt waren. Schließlich sind Design und Mode ja durchaus eng miteinander verknüpft.

So gibt es aktuell viele Seiten, die sehr knallig und bunt sind – oft bei sehr kreativen Projekten, die testen wollten wie weit man hier gehen kann Beispiele dafür sind die Website der Kreativagentur ToyFight oder die Seite der Jungendkampagne der Banco de México. Und andere Projekte ziehen sich dann hier die Essenzen raus: Farbpaletten, Typographie und vieles mehr.

 

Jugendkampagne der Banco di México

 

Was ist aus dem Trend zum Material Design geworden?

Auch hier wurden maßgebliche Impulse von Google beziehungsweise der Mutterfirma Alphabet gegeben. Beim Material Design wurde versucht eine Art allgemeinverständliche Sprache für UX-Elemente einzuführen in Bezug auf das Verhalten von Elementen wie der Navigation. Dabei wurde eine Art Layer-Design, also Ebenen mit Schattenwurf, eingeführt. Im Material Design verhalten sich die Elemente natürlich – wie Gegenstände im Raum, die verschiedene Positionen haben, höher oder tiefer sind, weiter entfernt oder näher am Nutzer.

Dagegen macht Microsoft mit Windows es ja wieder ganz anders: Hier wird ganz bewusst das Kachelsystem ohne jeglichen Raumbezug mit Schattenwurf oder ähnlichem genutzt – alles ist sozusagen „flat“. Also gibt es auch hier durchaus gegensätzliche Trends.

 

Haben sich nach deiner Betrachtung neue Trends abgezeichnet? Hast du Innovationen im Web beobachtet, die es so noch nicht gab und Trend-Potenzial haben?

Ja, tatsächlich auch das und hier wird es nochmal technisch! Mitte März ist der CSS Grid-Standard in alle gängigen Browser adaptiert worden. Das bietet neue Möglichkeiten zur Definition von einem Raster, also Zeilen und Spalten. Daran wurde bereits seit einiger Zeit entwickelt, ist aber nun von allen Browsern gleichzeitig adaptiert worden.

Ein anderer Trend ist die sukzessive Ersetzung von von Gulp und Grunt durch Webpack. Hiermit kann man JavaScript und CSS so bundeln, dass der Nutzer nur das laden muss, was er wirklich braucht. Vorher wurden alle Styles und Scripte in jeweils eine Datei zusammengefasst.

In Webpack kann man, im Gegensatz zu Grunt oder Gulp, mehrere Einstiegspunkte für das Bundeling definieren. Dort kann dann, mit Hilfe von sogenannten Loadern, beispielsweise Sass- oder Less-Code geparst und zu CSS übersetzt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Neuheiten und Trends manchmal sehr kurzfristig nach dem Release einer neuen Technologie auftun. Langfristig muss man dann immer schauen, ob sich diese Technologien durchsetzen können oder doch nur kurz für einen Hype sorgen. In der Tech-Branche schläft die Konkurrenz nicht und es ist immer mit Weiterentwicklungen zu rechnen. Genau das ist es, was den Arbeitsalltag als Entwickler auch so spannend macht!

 

Danke an Chris für das Interview!

Gern!

Hier geht es zum ersten Teil des Interviews:

Was wurde aus den Webtrends 2017? – Teil 1

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