Der ASQF ist ein als Verein auftretendes Kompetenznetzwerk für Software-Qualität, der sich unter anderem aus kleinen Fachgruppen aus den verschiedenen Regionen des deutschsprachigen Raums zusammensetzt. In Dresden ist die Fachgruppe Software Test Sachsen des ASQF beheimatet deren abendliche Treffen ich seit mehreren Jahren besuche bzw. verfolge.

Neben diesen in unregelmäßigen Abständen stattfindenden, abendlichen und eher kleineren Treffen, gibt es auch einige regelmäßige und größere Termine, wie den Quality Day Berlin, der jedes Jahr im Herbst in der deutschen Hauptstadt stattfindet. In diesem Jahr stand der Quality Day Berlin unter dem Motto „Software Qualität in einer zunehmend vernetzten Umgebung“.

Auch bei queo ist die Vernetzung von Dingen, gerne auch als Internet of Things (IoT) bezeichnet, ein zunehmendes Thema. Jüngstes Beispiel war ein Workshop beim Ideenkreis mit dem Ziel, die Verwendung von IoT in unseren umgebauten Büroräumen auszuloten.

Also verschlug es mich am 29.11. in den Fraunhofer FOKUS, wo der diesjährige Quality Day Berlin stattfand.

 

Die Vorträge

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Organisatoren hielt Herr Wei Wei von IBM die Keynote „Internet of Things – Standard and Implementation“. Dabei erklärte er ausgehend vom Wandel, den das Internet der Dinge mit sich bringt, wie und welche Organisationen versuchen, einheitliche Standards für diese vernetzte Welt zu definieren, um- und vor allem durchzusetzen.

Da die Veranstaltungen des ASQF auch gerne verwendet werden, um neue Diskussions-Formate auszuprobieren, fand der nächste Teil nicht im Auditorium statt, sondern in einer Art Caféteria. Im sogenannten World Café deckten sich alle Teilnehmer zunächst mit Kaffee und Kuchen ein, um anschließend an Stehtischen und in regelmäßig (alle 7 Minuten) wechselnden Konstellationen 3 vorgegebene Themen bzw. Fragen zu diskutieren und die Ergebnisse auf „Tischdecken“ zu dokumentieren. Am Ende wurden die künstlerisch wertvollen Ergebnisse als große Poster an einer Wand aufgehangen, so dass sich jeder ein Bild über die Diskussionen der anderen Gruppen machen konnte.

 

Anschließend beschrieb Axel Rennoch vom Fraunhofer FOKUS, wie an seinem Institut versucht wird, mit der allgemeinen Testbeschreibungs-Sprache TTCN-3, eine Test-Automatisierung in einer IoT-Umgebung, die unzählige Testspektren mit sich bringt, umzusetzen.

Dann berichtete Nils Balkow-Tychsen von seinem Abenteuer als einsamer Tester, der 3 Scrum-Teams mit insgesamt knapp 30 Entwicklern gegenüberstehend eine „Teststrategie für eine Microservice Architektur“ etablieren sollte. Die darauffolgende Mittagspause (an dieser Stelle soll auch das sehr gute Catering nicht verschwiegen werden) nutzte ich die Chance, mit Nils über seine Erfahrungen mit Scrum und speziell dem Anforderungsmanagement zu diskutieren.

Frisch gestärkt konnten dann alle Teilnehmer den Erfahrungen des Software-Consultants Andreas Bartsch folgen, was es heutzutage bedeutet Software in vernetzten Systemen zu entwickeln. So führt zum Beispiel die Vernetzung in Fahrzeugen zu einer extrem hohen Komplexität und Varianz, was bedeutet, dass das Testen und auch die Testautomatisierung in einer solchen Umgebung sowohl Fluch als auch Segen sein kann. Außerdem will kein Kunde nach 2 Jahren ein neues Fahrzeug kaufen, nur weil die Software veraltet ist.

Nach einem kurzen „inhaltlichen Gruß vom Testing Day Franken“ durch Dr. Armin Metzger vom ASQF wurde den 4 großen Sponsoren der Veranstaltung ein Slot eingeräumt, in dem sie sich präsentieren durften.

Der abschließende Vortrag von Peter M. Kruse (Assystem Germany), beschäftigte sich mit der Industrie 4.0 und den „neuen und alten Herausforderungen an Systementwurf, Absicherung und Zertifizierung“. Dabei ging auch er, vor allem aus Sicht der Verkehrs- und Logistik-Branche, auf die immer weiter steigende Komplixität der Systeme und die daraus resultierenden Probleme ein. So wurde zum Beispiel die Frage diskutiert, wann der beste Zeitpunkt zum Aktualisieren der Auto-Pilot-Software eines Flugzeuges ist.

Zum Abschluss des Quality Days folgte, das für mich wiederum neue Diskussionsformat „Fishbowl“. Dabei begann eine kleine Gruppe von Teilnehmern (in unserem Fall 5) im Innenkreis das Thema „Agile Transformation“ zu diskutieren, während die anderen Teilnehmer die Diskussion von „außen“ beobachteten. Nachdem im Innenkreis ein Teilnehmer die These aufstellte, dass die agile Transformation „ganzheitlich“ und „unternehmensweit“ erfolgen muss, wurde er von einem Teilnehmer aus dem Außenkreis abgeklopft, der dieser These widersprach und daraufhin in den Innenkreis wechselte.

Mein Fazit

Nach der Verabschiedung ging es für mich auf die Rückfahrt nach Dresden. Dabei ließ ich die Veranstaltung Revue passieren: „Was nehme ich von der Veranstaltung jetzt eigentlich mit?“

  • Das IoT ist ein (zumindest momentan) nicht aufzuhaltender Trend und die Welt wird zunehmend vernetzter. Allerdings wird der Begriff „Internet der Dinge“ bzw. die oft damit einhergehenden Formulierungen „Industrie 4.0“, „Cloud Computing“ oder „Big Data“ auch sehr inflationär verwendet.
  • Es ist dringend nötig Standards zu definieren, wie die Dinge miteinander reden!
  • Das Internet der Dinge ist komplex! 🙂
  • Software innerhalb des IoT zu entwickeln noch viel mehr! 😉
  • Vorsichtig formuliert: Es scheint als wären die klassischen Entwicklungsmodelle (Wasserfall, V-Modell) für eine Softwareentwicklung in einem IoT-Umfeld nicht ideal.
  • Die agile Transformation muss ganzheitlich gemacht werden. Sie ist eine „Kulturänderung“. Es betrifft die Kunden, die Geschäftsführung sowie den Vertrieb und endet beim Entwicklungsteam. Alle müssen an einem Strang ziehen.
  • Agiles Vorgehen ist nicht gleichzusetzen mit Chaos. Eigentlich bedeutet es das genaue Gegenteil, da alle Teilnehmer noch disziplinierter arbeiten müssen, tägliche Standups müssen daher ernstgenommen werden, es sollte keine Anforderungsänderung während des Sprints geben.

Alles in allem habe ich viele interessante Themen, Ideen, Eindrücke und Anregungen vom Quality Day in Berlin mitgenommen und freue mich schon auf den Quality Day Berlin 2018.

P.S. Eine für mich sehr erfreuliche Randnotiz beim Quality Day Berlin war, dass für 2018 eine ähnliche Veranstaltung in Dresden geplant ist.

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